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Vortex Five - Fünf Kurzthriller


So, herzlich willkommen zur allerersten Buchrezension auf meinem Blog – Daniel Holzer, Du hast die Ehre, beziehungsweise Dein erstes, von Dir selbst verlegtes, gedrucktes, von der breiten Masse kaufbares Werk. Für alle, die Daniel, auf Instagram auch bekannt unter @daniel_schreibt, nicht kennen: In mein Leseleben trat er im Rahmen der hier auf dem Blog schon des Öfteren erwähnten, fitzekschen Aktion #wirschreibenzuhause. Laut eigener Aussage war er vor dieser Aktion kein großer Schreiberling, aber seine für diesen Wettbewerb verfasste Kurzgeschichte inspirierte ihn dann gleich zu vier Weiteren. Und da sie alle ja nicht in der Schublade verstauben sollten, brachte er Ende letzten Jahres im Selbstverlag dieses kleine, feine Büchlein heraus, das es nun bei Amazon zu kaufen gibt – eine sehr gute Entscheidung!


Wie der Titel schon verrät, gibt es fünf Kurzthriller zu lesen, die so gar nichts miteinander zu tun haben – abgesehen von der Tatsache, dass es sich bei allen Fünfen um spannende Kurzgeschichten handelt. Meine Lieblingsgeschichte trägt den die Neugierde weckenden Titel „Ausgelöscht“. Hauptperson ist ein gewisser Benjamin. Benjamin erhält in dieser Geschichte einen Briefumschlag. Darin befindet sich ein Foto, auf dem er sich am Boden knieend über eine blonde Frau beugt. Um die beiden hatte sich ein See aus Blut gebildet. Auch Benjamin selbst ist auf dem Bild blutverschmiert. Er und die Frau befinden sich dabei in einem bunkerartigen Gebäude, in das kein Tageslicht fällt. Auf die Rückseite des Fotos hatte jemand mit rotem Lackstift ein Datum festgehalten. Dabei steht nur ein einziger Satz: „DER MÖRDER VON JULIA“.


Damit beginnt für Benjamin ein Wettlauf gegen die Zeit. Und das nicht nur ob der Tatsache, dass das Bild ihn eindeutig als Mörder darstellt. Nein, Benjamin hat noch ein zweites, nicht minder großes Problem: Er leidet seit mehreren Jahren unter einer globalen Amnesie. Dieses Krankheitsbild beschreibt der Autor mit einer sehr eindrücklichen Metapher: „Seit einem Autounfall ist dein Gedächtnis wie ein voller Kochtopf, der keine neuen Informationen halten kann. Alles, was du neu erlebst, schwappt sozusagen über den Rand und ist für immer weg.“ Jede Schlafphase ist für Benjamin demnach wie das Drücken eines Reset-Knopfes. Er muss also noch heute herausfinden, ob er die blonde Frau wirklich ermordet hat und sucht dabei Hilfe bei der örtlichen Polizei. Wir er selbst erstaunt feststellt, arbeitet dort ein alter Freund von ihm. Gemeinsam gehen die beiden der Sache auf den Grund… Und mehr möchte ich über die Handlung auch gar nicht verraten.


Warum ich gerade diese Geschichte zu meiner Lieblingsgeschichte auserkoren habe? Nun, ich muss gestehen, ich mag Krimis, bei denen der Leser zunächst einmal – oder ganz generell – herausfinden muss, welcher der Protagonisten „richtig tickt“. Eines meiner Lieblingsbücher dazu ist „Fremd“ von Ursula Poznanski und Arno Strobel. Daran anknüpfend finde ich es auch spannend, wozu Menschen in der Lage sind, ohne es selbst zu wissen – wie beispielsweise in „Der Nachtwandler“ von Sebastian Fitzek. Also, kurz gesagt: „Ausgelöscht“ ist mir einfach „voll ´reingelaufen“! Mehr noch – ich glaube, diese Geschichte hätte Potential für ein eigenstehendes Buch. Was – natürlich dem Genre Kurzgeschichte geschuldet – mich dabei nämlich doch etwas stört: Ich würde gerne so viel mehr wissen: Wie genau funktioniert das Krankheitsbild? Wie schnell fasst ein Betroffener jeden Tag Vertrauen zu ihm stets fremd vorkommenden Personen? Was genau hat sich im Mörder der Frau abgespielt? Kann man einen derartig Erkrankten nicht als Sündenbock für jede Schandtat „missbrauchen“? Und wie beweist man seine Schuld bzw. Unschuld, wenn er selbst sich doch an nichts erinnern kann?


Lieber Daniel, falls Du Dich entscheiden solltest, das Ganze als Thriller herauszubringen: Ich stehe jederzeit gerne als Testleserin zur Verfügung! Chapeau für die Spontanität, einfach mal Dein eigenes Buch „auf den Markt zu werfen“ – ich freue mich mehr von Dir zu lesen!!! Und so lange lege ich meinen Lesern hier sehr gerne Dein Erstlingswerk ans Herz; damit seid Ihr gut unterhalten und Eure Fantasie im Nachgang mit Sicherheit einige Zeit beschäftigt.

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