Warum kann man sein Herz eigentlich auch an eine Stadt verlieren?
- Anna M. Dittus

- 28. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Warum eigentlich?
Mit aquamarin-blauen Augen durchs Leben.
Mein Name ist Anna Dittus. Ich bin 41 Jahre alt, vermutlich immer noch irgendwo zwischen akribischer Lebensanalyse und gepflegter Realitätsflucht unterwegs – heute eindeutig auf der Flucht. Denn ich sitze in London und frage mich:
Warum kann man sein Herz eigentlich auch an eine Stadt verlieren?
Und jetzt mal ehrlich: Kann man sein Herz wirklich an eine Stadt verlieren? Also so richtig – mit Bauchkribbeln, Sehnsucht und diesem Gefühl von „Hier will ich bleiben“? Was sagen Sie? Ich sage: ja! London und ich, wir sind schon lange eine kleine Liebesgeschichte.
Zum ersten Mal erwischt hat es mich mit zwölf, als ich mit meiner Mama und meiner Oma die Trauerfeier für Lady Di im Fernsehen gesehen habe. Die Älteren unter Ihnen werden sich sicher daran erinnern. Dieser gefühlt stundenlange Trauerzug durch die britische Hauptstadt, begleitet von Kutschen, Pferden, den Royals ... Alle waren standesgemäß gekleidet (ich liebe diese rot-schwarzen Uniformen) ... Und man hatte die Ehre, sich das ungekürzt reinzuziehen, damals gab es noch keine sozialen Medien oder Online-Plattformen, auf denen man immer mal wieder reinschauen und das ansehen konnte, was einen interessierte.
Naja, egal. Das ich langsam zum zumindest älteren Eisen gehöre, hatten wir ja schon ein paar Mal. In jedem Fall war es seitdem da: Dieses Gefühl, dass diese Stadt irgendetwas Besonderes mit mir macht. Später dann: Unzählige Hörspielfolgen von Scotland Yard, in welchen Betty, Benny und Buck Mr X quer durch London jagen. Ja, und dann Buckingham-Palast live, Ear-Guide am Ohr – und wer erzählte mir die königlichen Gepflogenheiten? Damals noch "Prince" Charles höchstpersönlich. Ich schwöre, ich habe selten so brav zugehört. 2003 mein erster London-Tripp. Von momentan acht. Jaaaa, ich hab die Lizenz zum Wiederkommen.
Meine beste Freundin Steffi kannte London vorher nur aus dem Fernsehen – und jetzt waren wir zusammen schon fünfmal hier. Können Sie sich vorstellen, wie das ist, wenn man eine Stadt, die man liebt, jemand anderem zeigt – und der verliebt sich genauso heftig? Das ist ein bisschen, als würde man seine Lieblingsserie empfehlen und die andere Person binget sie in einer Nacht durch.
Was ist es also? Warum packt uns diese Stadt? Sind es die roten Telefonzellen, die Doppeldeckerbusse, die Geschichte an jeder Straßenecke? Sind es die Buchläden, in denen ich mich fühle wie in meinem grünen Lesesessel zuhause – nur eben mit hundertfach mehr Schätzen um mich herum? Oder ist es das Gefühl, dass man hier gleichzeitig Sherlock Holmes treffen könnte, wie er aus der Baker Street tritt – und Jack the Ripper? Okay, den lieber dann doch nicht ...
Und noch etwas, das mein Herz an London bindet: die Musikgeschichte dieser Stadt. Wenn man an Abbey Road denkt, denkt man sofort an The Beatles – ihr legendäres Album Abbey Road (1969) wurde hier aufgenommen, mit Hits wie Come Together, Here Comes the Sun oder Something, und das Cover mit dem Zebrastreifen ist weltberühmt.
Aber Abbey Road ist nicht nur Beatles: Hier haben auch Pink Floyd Teile von The Dark Side of the Moon aufgenommen, George Harrison produzierte All Things Must Pass, Kate Bush, Fela Kuti, Queen, The Rolling Stones und viele andere Größen nutzten diese Studios, um Klangräume zu schaffen, die für immer nachhallen.
Vielleicht ist es aber auch das: London ist wie ein Mensch mit Charakter. Manchmal ein bisschen schroff (Regen, Preise, U-Bahn im Berufsverkehr), aber immer charmant genug, dass man bleibt. Und wie das mit Herzensdingen so ist: Wer verliebt ist, verteidigt. Sagen Sie bloß nicht, London sei grau oder langweilig – da werde ich grantig.
Übrigens: Es gibt nur eine einzige andere Stadt, die es bisher geschafft hat, mein Herz so im Sturm zu erobern. Sie liegt oben im Norden (ja, genau die, Sie wissen schon). Aber sonst? Keine Chance.
Und jetzt die Frage an Sie: Haben Sie so eine Stadt, in der Sie sich so zuhause fühlen, als würden Sie dort schon seit Jahren leben? Einen Platz, den Sie vermissen, wenn Sie weg sind? Oder sind Sie eher der Typ „Zuhause ist es doch am schönsten“?
Herzlichst, Ihre Anna Dittus
(41, London-Fan mit Wackel-Queen im Auto – aber im Linksverkehr ausschließlich als Fußgängerin unterwegs!!!)



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