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Warum hat eigentlich jeder eine Chaos-Schublade?

  • Autorenbild: Anna M. Dittus
    Anna M. Dittus
  • 29. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Warum eigentlich?

Mit aquamarin-blauen Augen durchs Leben


Mein Name ist Anna M. Dittus. Ich bin 41 Jahre alt – und diesmal geht es um etwas, das garantiert jeder kennt (auch wenn sich an dieser Stelle einige sicher gerne hinter dem Wort "realitätsfremd" verstecken würden): die Chaos-Schublade. Ja, genau die. Die, die man nie zeigen darf, wenn Besuch kommt. Die, in die man einfach alles stopft, was sonst nirgends hingehört. Und die, die sich auf mysteriöse Weise nie leert – sondern immer nur noch voller wird.


Warum hat eigentlich jeder eine Chaos-Schublade?


Ehrlich, woher kommt das eigentlich? Dieses universelle Phänomen? Ich bin überzeugt: Ob Kinderzimmer, Studentenbude, Familienhaushalt, Penthouse oder Schloss – irgendwo gibt es sie. Diese eine Schublade, die man besser nicht zu weit aufzieht, weil sonst die halbe Welt herauspurzelt. Vielleicht heißt sie bei Ihnen anders – „Krempelfach“, „Allzwecklade“, „Ich-räum’s-später-weg-Schub“ – aber geben Sie es zu: Jeder von Ihnen weiß, wovon die Rede ist.


Alles, was gerade keinen fixen Platz hat: zack, rein damit. Das Feuerzeug, das man nur im Winter für die Duftkerzen braucht. Alte Handyladekabel. Die Betriebsanleitung der Mikrowelle. Kaputte Batterien – direkt neben den funktionierenden natürlich. (Spoiler: Auch Sie werden von außen nicht erkennen, welche Saft haben und welche nicht. Viel Spaß beim Ausprobieren.) Dann noch eine Handvoll Schrauben, ein Zollstock, drei Kulis, die nicht mehr schreiben, eine einsame Büroklammer, eine Sicherheitsnadel, vielleicht ein Mini-Schraubenzieher, den man nie wiederfinden wird, wenn man ihn wirklich braucht.


Und das Beste: Sucht man etwas, das man ganz sicher in dieser Schublade aufbewahrt hat – ist es nicht da. Gesetz der Unordnung. Newton hätte sich gefreut, das zu entdecken.


Manche haben dieses Phänomen in Körbchenform neben der Haustür, also quasi das Einsteigermodel (Anfänger eben). Andere haben ganze Chaos-Schränkchen. Ich kenne sogar Menschen mit Chaos-Kommoden – oder, und das ist fast schon Königsklasse – eine Chaos-Truhe. Und, Hand aufs Herz: Haben Sie nicht auch diesen einen „Ich-weiß-nicht-wohin-damit“-Ort?


Ich persönlich (Sie wissen ja, bei mir herrscht natürlich sonst absolute Ordnung, hüstel) – ich habe eine Chaos-Schublade im Schreibtisch. Sollte ich vielleicht mal wieder ausräumen. Wobei – kennen Sie das? Man schiebt das schon ewig vor, aber dann denkt man: „Ach, da ist doch nichts Wichtiges drin.“ Und wenn man’s dann doch mal tut, findet man ungeahnte Schätze: alte Kinokarten, längst vergessene USB-Sticks mit mit noch längstiger vergessenen Fotos, eine Postkarte, über die man plötzlich lächelt, ein Lippenbalsam (abgelaufen, aber immerhin ... solange es nicht der vor Jahren seinem Käfig entflohene Hamster ist ...).


Oder man kippt sie einfach komplett in die Mülltonne, ohne reinzuschauen – und schwört sich: Wenn ich’s in den letzten drei Jahren nicht gebraucht hab, brauch ich’s nie wieder! Nur um eine Woche später hektisch zu denken: „Moment mal – da war doch noch dieses eine Teil, das jetzt perfekt gewesen wäre!“ 


Und jetzt wird’s spannend: Psychologen sagen, dass Menschen mit Chaos-Schublade keineswegs unordentlich sind – sondern oft besonders kreativ. Unser Gehirn liebt nämlich „Sicherheitsorte“: kleine Inseln des Aufschubs, an denen wir Dinge parken können, bis wir bereit sind, sie loszulassen. Das klingt fast poetisch, oder? Tatsächlich hilft es unserem Kopf, Entscheidungen zu vermeiden, wenn er ohnehin schon zu viele treffen muss. Ein bisschen Aufschieberitis in der Schublade – ganz normal.


Forscher der University of Minnesota haben sogar herausgefunden, dass ein gewisses Maß an Unordnung die Kreativität steigert. „Genie beherrscht das Chaos“, heißt es ja so schön. Vielleicht ist die Chaos-Schublade also gar kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern ein stiller Beweis dafür, dass unser Gehirn ständig in Bewegung ist – und einfach nicht alles sofort einordnen will.


So, da Sie ja nicht zu Spaß hier sind, die all-sonntägliche Frage meinerseits: Warum also haben Sie diese Schubladen? Ist es Bequemlichkeit? Sentimentalität? Oder schlicht Überforderung mit der Alltagslogistik? Vielleicht ist sie einfach ein Symbol Ihres Lebens: halb organisiert, halb improvisiert. Ein Ort, an dem sich Ihr Chaos wohlfühlt – und das Genie (also Sie, also angeblich) den Überblick behält.


Wobei: Gibt es wirklich Menschen ohne Chaos-Schublade? So ganz ordentliche Wesen, bei denen alles immer seinen Platz hat? Falls ja: Respekt. Oder Mitgefühl – je nach Perspektive. Melden Sie sich in jedem Fall, sollten Sie so einer sein. Dss interessiert mich!


Ich für meinen Teil weiß: Die Chaos-Schublade gehört einfach dazu. Sie ist das unperfekte Herzstück jedes Haushalts. Und irgendwie tröstlich. Denn sie beweist, dass niemand wirklich perfekt ist – auch nicht die, die so tun.


Herzlichst

Ihre Anna M. Dittus


(41, ist selbst nicht selten eine Katastrophe, liebt aber auch das Chaos – nicht nur in der Schublade oben rechts)

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